Juneau
Die Trennung verstehen.

Neben all dem Kummer ist Verständnis das letzte was man geben mag, nicht wahr? Man benötigt es für sich selbst – vollständig. Dann soll man es auch noch ausgerechnet für die Person haben, die einen verließ? Unvorstellbar! Unmöglich! Aber sinnvoll.

Egal welcher Weg eingeschlagen werden soll, ob man für die Beziehung oder nur für sich selbst kämpfen mag: Es ist wichtig, den Hass und die Fragen möglichst vollständig ablegen zu können. Nun ist dies sicherlich nicht in jeder Situation so möglich und in mancher geht es schneller, gar einfacher, während es in anderen unmöglich erscheint und schier ewig dauert.

Man könnte ganz simpel sagen, dass das Gedankenkarussell allein schon von der Frage „Wie konnte das passieren?!“ genug angetrieben wird, um sich für die nächsten Monate ganz von selbst zu drehen – in rasendem Tempo. Dazu dann noch die anderen Fragen, Vorwürfe, Tränen & Co. und wir erschaffen fast schon das „Perpetouum Mobile“, eben etwas, was nicht aufhört sich zu bewegen.

Ich selbst kam damals erst sehr spät an den Punkt des Verstehens und doch stand ich da und sagte, dass ich mich selbst verlassen hätte. Ich war zu einer aggressiven Zicke mutiert, die weder Problemlösungen finden noch Nähe zulassen oder Vertrauen konnte. Diese heftige Wandlung fand überwiegend während der Trennungszeit statt und brachte sicherlich nichts positives ein. Doch alles, was ich zuvor schon an mir selbst bemängeln konnte, schaffte ich kaum zu ändern oder änderte es nicht genug. Die Leute, die eine Trennung als „deutlichen Ar***tritt“ betiteln, sind in großen Massen vorhanden. Aber als derartiges kann man nur bezeichnen, was man versteht und dadurch motivierende Energien für sich nutzen. Energien, die sonst nur ins kontraproduktive Karussell fließen würden.


Wie versteht man eine Trennung?

Dafür gibt es sehr, sehr viele Muster, da es auch unzählige Gründe gibt und somit kann ich bei weitem nicht jedes behandeln. Doch es gibt einige Dinge, die in dieser oder ähnlicher Form fast jedes Mal mitspielen:

Betrug, Kontrolle, Gesundheit, Auseinanderleben, unterschiedliche Vorstellungen, Attraktivitäts- oder Gefühlsverlust.

Manch ein Ex-Partner ist nun so freundlich und lässt es einen grob wissen, doch häufig heißt es schlicht: „Meine Gefühle reichen nicht mehr aus.“ – Aber warum denn…? Und da setzt eure Arbeit ein.

Es ist wahrlich nicht leicht, es zu ergründen – so muss man doch versuchen sich und die Beziehung von außen zu betrachten und sich leider auch in die andere Rolle begeben und zwar ehrlich. In jedem dürfte erst mal aufschreien, dass man selbst natürlich ganz anders gehandelt hätte und natürlich eine Chance geben würde und ja ein viel besserer Mensch und respektvoller und sonstiges sei, … aber satteln wir das hohe Ross doch bitte mal ab und sprechen die Wahrheit – denn nur auf diese Weise, kann man sich ein Stück lösen, befreien und an sich arbeiten, um Fehler nicht ständig zu wiederholen. Es geht hierbei nicht darum sich die ganze Schuld zu geben (für eine Beziehung sind immer noch 2 Menschen verantwortlich!), aber um die Erkenntnis wo auch deutlich eigene Fehler lagen. Die Fehler des Ex-Partners durchleuchten wir ebenfalls noch zu einem anderen Zeitpunkt.


Nehmen wir die oben genannten „Oberbegriffe“, um beispielhafte Detektivarbeit leisten zu können und stellt euch immer die Frage: "Wärt ihr bei euch geblieben?"


Betrug.


Du hast oder wurdest betrogen. – Warum? Gerade wenn du selbst betrogen hast, wirst du sicherlich tief in die mehr Gründe kennen, als das klassische „Alkohol.. da ist es einfach passiert.“ – Nein, es passiert nicht einfach so. Fehlte dir etwas in der Beziehung? Gab es Dinge, die dein Partner dir nicht mehr gab? Brauchtest du Bestätigung? Warst du dir selbst unsicher über die Beziehung? … Finde raus, was dich dazu trieb. Wenn du betrogen wurdest, kannst du nahezu selbige Fragen stellen: Könnte dem Ex-Partner etwas gefehlt haben, usw.

Kontrolle.

Du hast oder wurdest kontrolliert. – Warum? Gab es Anlass dafür (definitiv oder vermutbar) im Jetzt oder in der eigenen Vergangenheit/der Vergangenheit des Partners, die ein Misstrauen aufbrachten? (Manche Ereignisse sind nun mal prägend) Hast du 27 SMS in Folge und 13 Anrufe als wenig oder viel wahr genommen? Könntest du ihn bedrängt haben, fehlten ihr Freiheiten? Usw.

Gesundheit.

Du/er wurde/war krank. – Was bewirkte dies? Kümmerte man sich nur noch umeinander, wie Arzt und Patient; blieb das Leben auf der Strecke; wurde man oder behandelte man aus seinem eigenen Schmerz heraus schlecht? War der ungesunde Part zu stark mit sich selbst beschäftigt? Fehlte irgendwann die Kraft/Hoffnung/Aussicht auf Besserung, sodass es nicht mehr weiter ging? Usw.

Auseinanderleben.


Du/er hat sich entfernt. – Wie? Habt ihr beiden euch evtl. gänzlich verändert, sodass es kaum mehr Verknüpfungspunkte gab? Wurden neue zeitintensive Hobbys angenommen, die kaum mehr Zeit für den Partner übrig ließen oder diesen gar bewusst ausschlossen – und warum? Gab es große Veränderungen im Umfeld durch neue Arbeit, neuer Lebensabschnitt (von Schule zu Ausbildung bspw.), Umzug, o.ä.? Was änderte sich zwischen einander innerhalb der Freizeit von „damals“ (= Beginn der Beziehung) zu „jetzt“ (= Zeit vor Ende der Beziehung)? Usw.

Unterschiedliche Vorstellungen.

Was war dein/sein Lebenswunsch und was daran passte nicht zusammen. Wolltest du 4 Kinder und 8 Hunde auf einem großen Bauernhof, während der Ex-Partner gnädiger Weise 1 Kind ja akzeptieren könne (dir zu Liebe), in seiner gewünschten Penthousewohnung in der Großstadt aber niemals auch nur ein Tierhaar vorfinden will? Hat einer vllt. von Hochzeit und Familie geträumt, während der andere reisen, viel erleben und sich nicht an einen festen Wohnsitz binden wollte? Gab es – schlicht und ergreifend – große Unterschiede in der Lebensplanung, für die es keine oder nur unglücklichstimmende Kompromisse gegeben hätte? Usw.

Attraktivitätsverlust.

Hast du deinen Partner oder er dich nicht mehr so attraktiv empfunden wie damals? Ausgelöst durch Stress, Unwohlgefühl, Unzufriedenheit, Stagnation in versch. Bereichen, u.v.m. kann sich die Ausstrahlung einer Person gänzlich wandeln – und dadurch auch die Handlungsweisen einer Person. Beispielsweise kann übermäßiger Stress dazu führen, dass man genervt agiert und sich nicht recht auf den Partner einlassen kann; auch ein eigenes Unwohlfühlen im eigenen Körper (sei es begründet oder unbegründet) kann sehr schnell dazu führen, dass wir Nähe kaum mehr zu lassen oder sogar gar nicht mehr. Gab es innerhalb der Beziehung Faktoren, die die Anziehung des Gegenübers verringerten, gar auslöschten? Usw.

 
Gefühlsverlust.


All die zuvor genannten Dinge bewirken im Endeffekt auch dein Verlust des Gefühle FÜHLEN Könnens. Es bedeutet nicht gleich, dass die Wage sich von „Viel Gefühl“ zu „Kein Gefühl“ wendet, aber sie tendiert dazu sich in die negative Richtung zu neigen, je mehr vorgefallen ist. Eine Waage die sich neigt, kann aber auch in die andere Richtung gebracht werden, wenn man versteht, was alles auf der negativen Seite lastet. Die 5kg „schöne Zeiten“ sind wenig im Vergleich zu 8kg „Streit“ und 3kg „Zeitmangel“. Es reicht also kaum immer wieder zu betonen, dass man doch so glücklich war, wenn die andere Seite gerade schwerer wiegt – das zu erkennen funktioniert aber nur, wenn man sich die Mühe macht, es zu verstehen. Und damit landen wir wieder beim Titel: Die Trennung verstehen.

 
Natürlich gibt es viel mehr Gründe und hier ist nur ein kleiner Ansatz angerissen, um eine grobe Richtung zu zeigen, wie man die Thematik angehen kann. Viele erkennen sofort: „Ohje, ich habe viel zu oft gemeckert!“ und wollen – für ihr eigenes Glück – generell daran arbeiten, was sehr gut ist – keine Frage -, aber es ist ein Bruchteil der Geschehnisse und wer weiter kommen möchte, sollte das Bild möglichst vollständig sehen.


Werden wir etwas persönlicher...

...und greifen auf meine Erfahrung zurück. Mir hat keiner gesagt, dass ich VERSTEHEN müsse, ich solle einfach AKZEPTIEREN. Ich bin leider kein Mensch der Dinge einfach so hinnimmt, wenn er sie nicht versteht. Da hatte ich also schon ein Problem. Ich akzeptierte zwar, dass der Zustand nun so ist, aber.. das nutzte mir wenig. Nichts, um genau zu sein.

Was passierte mir also? Ich dachte darüber nach, was er immer zu bemängeln hatte und änderte es so gut ich konnte. Schön… das brachte mich sicherlich ein Stück weiter, aber ich blieb unzufrieden und hatte millionen Fragezeichen um mich schwirren, die mich wahrhaftig wahnsinnig machten und unzufrieden zurück ließen.

Schmerzlich ging ich irgendwann jeder verdammte Erinnerung durch, die mich belastete, um zu sehen, wie ich sonst noch hätte reagieren können. Was, wenn ich ihn nicht fort geschickt hätte? Was, wenn ich besser kommuniziert hätte? Was, wenn ich das Risiko eingegangen wäre? Was, wenn; was, wenn; was, wenn… Ich grübelte irgendwann doch recht unbewusst darüber nach, wie es soweit kommen konnte und kam versehentlich zu dem Ergebnis, dass es nicht anders hätte kommen dürfen! Schockierend, nicht wahr? Erst DANN setzte bei mir der bewusste Denkprozess ein: Warum fand die Trennung statt, obwohl wir uns sogar wieder näher gekommen waren? Wieso ging das negative weiter? Wie kam es dazu? – Tja, ich weiß, dass es damals den Moment gab, an dem wir eine Chance hatten – die ich (verängstigt, verständnislos, mit verletztem Stolz und mangelndem Vertrauen) ausschlug. Und danach fanden beidseitig enorme Fehler statt. Ich erkannte, dass ich plötzlich die oben genannte aggressive Zicke war und mir selbst ein Dorn im Auge. Die Frage, ob ich mit mir zusammengeblieben wurde, war ein klares und ebenso befreiendes wie zuerst schmerzendes NEIN.

Doch nach dieser Antwort, setzte ich Kräfte frei, um Dinge anzugehen, die mir unmöglich erschienen. Ich blieb ruhig in Streitsituationen, ging Probleme an, sprach nicht mehr von „Ich würde gerne…“, sondern tat es einfach.

Wie will man überhaupt auf jemanden zu gehen, für den man absolut kein Verständnis hat?
Hätte ich nicht verstanden, wieso es passierte, hätte ich mich wohl eher noch in meinen Tränen ertränkt, als endlich schwimmen zu lernen und dann den Stöpsel zu ziehen.

"Der, der Verstand hat, schreibt mir Verständnis zu und der Dumme Dummheit."

Eure Feli

10.1.14 07:00
 
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